Schlussfolgerungen
Fokus auf Zwillinge
1. natale Einflüsse und Familiensituation
Dass das Geburtsgewicht
bei Zwillingen eine grosse Rolle spielt, wissen die Wissenschaftler
schon lange. So stellt ein zu geringes Geburtsgewicht oft eine
mangelhafte Versorgung dar, das aber das Kleinkind sehr gut in
den ersten Entwicklungsjahren aufholen kann.
Es hat mich ein wenig erstaunt, dass der Erstgeborene nicht gleich
der Stärkere ist, da diese Meinung weit verbreitet ist.
2.
Ähnlichkeit und
Verwechslungshäufigkeit
In dieser
Studie sind die männlichen Zwillinge wohl ähnlicher
als die weiblichen Zwillinge. Dass aber die Fremdbeurteilung
findet, die Zwillinge seien sich ähnlicher als es die Zwillinge
selber empfinden, könnte darauf hindeuten, dass die Zwillinge
sich (bewusst oder unbewusst?) damit voneinander abgrenzen wollen
(hier vor allem bei den männlichen Zwillingen; der Unteschied
ist sehr signifikant). Ist es doch für viele eineiigen
Zwillinge nicht einfach, die "Kopie" eines anderen
Menschen darstellen zu müssen... So wie Zwillinge in der
Kindheit ihre Ähnlichkeit als Paar geniessen, ist die Jugend
geprägt von der "Ich-Findung", dem Finden der
eigenen Individualität.
Der Unterschied zwischen der Selbstbeurteilung und der Fremdbeurteilung
hinsichtlich der Verwechslungshäufigkeit ist sehr signifikant
gross! Das Umfeld hat um mehr als das Doppelte den Eindruck,
dass die Zwillinge verwechselt werden als die Zwillinge selber.
Vielleicht ist es den Zwillingen gar nicht so bewusst, wie oft
sie verwechselt werden? Es könnte aber auch sein, dass
sich hier starke Abgrenzungsversuche gebildet haben.
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3.
Die fünf
Zwillingsbeziehungstypen
Wie bereits
erwähnt, zeigt sich auch hier, dass in meiner Studie die
Männer sich ähnlicher sind als die Frauen. So weisen
die Männer in der Kindheit vorwiegend die Einheits-Identität
auf und die Frauen die abhängige Identität. Oft ist
es eigentlich umgekehrt, da Frauen viel mehr zu "Verschmelzungstendenzen"
neigen als das männliche Geschlecht, das vielmehr miteinander
konkurrenziert, weil es sich abgrenzen will. Wie erwartet, zeigen
sich bei den Zwillingen bei "Heute" keine ausgeprägten
Beziehungstypmerkmale mehr. Oft leben sich Zwillinge als Erwachsene
auseinander und weisen ganz andere Beziehungsmuster auf als
diejenige im Kindheits- und Jugendalter.
Dass die Frauen mehr paarorientiert und die Männer mehr
individuumorientiert sind, verwundert nicht. Hier muss aber
erwähnt sein, dass das "Gesündeste" ein
Gemisch von "paarorientiert" und "individuumorientiert"
darstellt. Eine zu einseitige Gewichtung weist eher auf eine
ungünstige Konstellation hin, da jeder Mensch in einer
Paarbeziehung in einer Verschmelzung seine Ich-Identität
aufgegeben hat und nur noch als "Wir" funktioniert
oder bei einer zu starken Abrenzung die beständige Nähe
als negativ erlebt.
4.
Persönlichkeitsstruktur
Es irritiert,
dass die eineiigen Zwillinge gleich in allen Persönlichkeitsmerkmalen
besser als die Pärchenzwillinge abschneiden. Doch ist dieses
Ergebnis teilweise auch schon in anderen Studien ersichtlich
geworden. Auffallend ist in dieser Studie, dass die eineiigen
Zwillinge sehr viel mehr Durchsetzungsvermögen als die
Pärchenzwillinge haben. Dies kann davon herrühren,
dass eineiige Zwillinge gerade in der Kindheit und Jugendzeit
oft als "stärkere Einheit" auftreten und sich
so ein grösseres Durchsetzungsvermögen aneignen können.
Dass Pärchenzwillinge schlechter abschneiden, könnte
auch mit der schwierigen Situation, der verschiedengeschlechtliche
Zwillinge ausgesetzt sind, zusammenhängen. Der in den ersten
Lebensjahren unterschiedliche Entwicklungsstand könnte
zu einer Sensibilisierung der beiden Geschwister führen,
ebenso der frühe Umgang mit dem anderen Geschlecht. Damit
ist gemeint, dass die nahe Beziehung zum nichtgleichgeschlechtlichen
Zwilling in einem Alter, im dem die Kinder "üblicherweise"
gleichgeschlechtliche FreundInnen vorziehen, problematisch werden
könnte, wenn plötzlich vom Zwillingsgeschwister ein
gleichgeschlechtliches Kind bevorzugt wird.
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