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Thema 6

Mythen
Um Zwillinge ranken sich jahrhundertealte Mythen und Legenden. So verwundert überhaupt nicht, dass bereits unsere Vorfahren die doppelten Menschen kultmäßig behandelten, ihnen besondere Fähigkeiten zuschrieben und daher geradezu vergötterten. Zwillinge waren Götter oder Teufel, Herrscher oder Unterdrückte, Stellvertreter des Guten wie Bösen. Besonders in der Antike sprach man von einem ausgeprägten Zwillingskult. Osiris, Herrscher des Totenreichs, war die zentrale Gottfigur in Altägypten, war Zwillingsbruder und bereits im Mutterschoß Gatte der göttlichen Isis. Aber auch solche bekannten Figuren der Sagenwelt wie Kastor und Pollux, Romulus und Remus waren von ihrer Gestalt her Zwillinge.
Eineiige Zwillinge und ihr Leben sind heute noch genauso faszinierend wie früher. Auch heute gelten eineiige Zwillinge als etwas Besonderes, weil sie sich so sehr ähneln. Heute ist man weitestgehend über das Phänomen der eineiigen Zwillinge aufgeklärt. Damals gab es diese Erkenntnisse von heute nicht. Deshalb ist die Geschichte von eineiigen Zwillingen eine Geschichte von Mythologie, Aberglauben, Missverständnissen und gewaltsamen Tod. Die Faszination ist heute noch geblieben, alles andere eigentlich nicht(?).
Bei vielen Völkern der Erde waren Zwillinge etwas Übernatürliches, oft spielte Aberglaube eine schlimme Rolle. Da der Aberglaube immer aus Unwissenheit entstand und auch weiterhin entsteht und man wenig über Genetik wusste, entstanden also Mythen, Sagen und Legenden über Zwillinge.
„Berühmte“ Zwillingspaare gibt es in vielen Kulturen. Dabei spielten sie oft die Rolle vom Guten und vom Bösen. Der Pfad des Guten und der Pfad des Bösen beginnen an der gleichen Wegkreuzung (Geburt), ohne Licht gibt es keinen Schatten, ohne das Böse gibt es nicht das Gute. Bei den christlichen Häretikern des Mittelalters führte solcher Glauben zu der Ansicht, Gott und Teufel seien Zwillingsbrüder.


Zwillinge waren in vielen Zeitaltern und Ländern etwas Spektakuläres. Bei einigen Völkern wurden sie verehrt, bei anderen Völkern fürchtete man sich jedoch vor ihnen. In einigen Regionen des europäischen Mittelalter und auch später waren Zwillinge z.B. ein Akt des Teufels oder Dämonen. Es galt die Meinung, dass ein Mann nur 1 Kind zeugen kann und deshalb bei der Geburt von Zwillingen übernatürliche Kräfte am Werk sein mussten.
Eine der berühmtesten Zwillingspaare waren Romulus und Remus, Söhne des Kriegsgottes Mars, welche von Wölfen aufgezogen wurden. Romulus erschlug seinen Bruder Remus und gründete später Rom.
Wenn Zwillinge überhaupt verehrt wurden, dann nur im Zusammenhang mit Göttern, Geistern oder Schöpfungswesen. Oft werden Zwillinge als Götter erwähnt, von denen der eine das Gute, z.B. Licht, und der andere das Böse, die Finsternis verkörperte.
Gerade in der griechischen Mythologie gab es viele Zwillingspaare die Götter oder Halbgötter waren. Polydeukes und Kastor die Zwillingsgötter des Morgen- und Abendsterns, wurden gleichzeitig aus dem Schoß Ledas oder Latronas, in der griechischen Mythologie die Urmutter des Welteneis, geboren.
Amerikanische Indianer erzählen, der Weiße Manitu, der Herr des Lebens, und der Schwarze Manitu, der Herr des Todes, seien Zwillinge. Beide wurden gleichzeitig von der Mondgöttin geboren, der sogenannten Alten Frau, die niemals stirbt.
Bei einigen Familien der Plains-Indianer war es z.B. eine Schande Zwillinge zu bekommen und eins von den Kindern wurde ausgesetzt. Andererseits brachten die Dakotas ihren Zwillingen großen Respekt entgegen, denn sie sahen in ihnen Glücksbringer. Bei den Hopi z.B. spielten Zwillingsbrüder in der Schöpfungsgeschichte eine wichtige Rolle. Andere indianische Völker sahen in Zwillingen etwas Besonderes, deshalb wurden sie zu Häuptlingen oder Medizinmänner erzogen.
Über das Verhalten der Zwillinge zueinander erzählen jedoch wenige Legenden oder Mythen. Meistens nur wenn das Verhalten der beiden stark voneinander abwich, der eine gut, der andere böse.