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Forschung
Sowohl eineiige als auch zweieiige Zwillinge sind für die
Forschung ein lohnendes Objekt – zum Beispiel wenn es um
den Ursprung von Krankheiten geht. In einem Projekt arbeiten europaweit
Wissenschaftler aus den Bereichen Molekulargenetik und Zwillingsforschung
zusammen, um mehr über wichtige Volkskrankheiten herauszufinden.
Im Fokus stehen Fettsucht, Migräne, Diabetes, Bluthochdruck,
Herzinfarkt und Schlaganfall – wie gross ist der Einfluss
der Gene dabei, und welche Rolle spielt der Lebensstil? In den
Zwillingsregistern verschiedener Länder sind über 600.000
eineiige und zweieiige Zwillingspaare erfasst, auf deren Daten
die Forscher teilweise zurückgreifen. Die GenomEUtwin-Studie
läuft noch bis September 2006, beteiligt sind Schweden, Finnland,
Holland, England und Italien. Schweden hat das grösste Zwillingsregister
(70.000 !!).
Zwillinge sind für die psychologische Forschung etwas Besonderes
und Wertvolles. Denn die Untersuchung von psychologisch relevanten
Merkmalen in einer Zwillingsstichprobe gibt interessante Aufschlüsse
darüber, warum sich Personen unterscheiden: Jeder Mensch
ist das einmalige Ergebnis eines Wechselspiels von angeborenen
Veranlagungen und Umwelteinflüssen. Zwillingsstudien ermöglichen
in einzigartiger Weise die Analyse dieser Faktoren.
Eineiige Zwillinge - oft als identische oder monozygote Zwillinge
bezeichnet - haben exakt die gleichen Erbanlagen, teilen aber
auch viele Umwelteinflüsse, z.B. den Lebensstil der Familie.
Zweieiige - dizygote Zwillinge stimmen durchschnittlich in der
Hälfte der Gene überein, erleben aber gemeinsame Umweltfaktoren
genauso wie eineiige Zwillinge. Grundlage der Analysen ist die
Bestimmung der Eiigkeit mit genetischen Markern oder (nicht ganz
so exakt, aber ökonomischer) mittels Fragebogenverfahren.
Der Vergleich der Ähnlichkeit von Merkmalen bei eineiigen
und zweieiigen Zwillingen gestattet deshalb eine Abschätzung
des Einflusses der Gene.
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Zeigen zum Beispiel eineiige Zwillinge in einem Merkmal größere
Ähnlichkeiten als zweieiige, so deutet dies darauf hin, dass
genetische Faktoren zur individuellen Ausbildung dieses Merkmals
beim Menschen beitragen. Eigenschaften mit großem genetischem
Einfluss - etwa die Körpergröße - stimmen bei
eineiigen Zwillingen stärker überein als bei zweieiigen
Zwillingen. Was beim Aussehen der Zwillinge offensichtlich ist,
lässt sich aber auch für biologische Merkmale wie den
Blutdruck nachweisen.
Seit Jahrzehnten gibt es hitzige Auseinandersetzungen zwischen
jenen, die glauben, dass der Mensch durch seine Gene vorbestimmt
ist, und anderen, die überzeugt sind, dass die Unterschiede
zwischen Menschen von ihrer Umgebung geprägt sind. "Im
extremen Ausmaß hat beides fatale Folgen", gibt Zwillingsforscher
Prof. Dr. Frank Spinath von der Universität des Saarlandes
zu bedenken. "Alles den Genen zuzuschreiben, würde bedeuten,
der Umwelt und Erziehung überhaupt keine Wichtigkeit beizumessen.
Hinzu kommt die falsche Annahme, dass ein Merkmal, wie etwa Intelligenz,
nicht oder kaum verändert werden könne, nur weil ein
bedeutsamer genetischer Einfluss vorliegt. Die irrige Annahme,
alles sei vorherbestimmt, könnte damit auch die Kürzung
von Sozialprogrammen, Armuts- und Kriminalitätsbekämpfung
begründen, was natürlich Unsinn ist." Spinath hält
aber auch die gegenteilige Ansicht für gefährlich: "Auch
die Aussage, dass jeder Mensch das Milieu, in dem er sich wiederfindet,
und seine gesamten Fähigkeiten nur Umwelteinflüssen
zuzuschreiben hat, ist schlichtweg falsch."
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